Traditionelle Kampfkunst

Historie des Muay Thai

Die genaue geschichtliche Entwicklung des Muay Thai ist schwierig zu rekonstruieren, da Ayuthaya, die damalige Landeshauptstadt Siams (heutiges Thailand) während des Krieges mit Birma (heutiges Myanmar) im Jahre 1767 durch die birmesischen Truppen erobert wurde. Durch die der Eroberung nachfolgenden Plünderungen und Brandschatzungen wurde Ayuthaya stark zerstört und auch zahllose Aufzeichnungen über die Kunst und Traditionen des Muay Thai wurden vernichtet. Der nachfolgende historische Abriss gilt aber allgemein als gesichert.

Die Thais lebten ursprünglich im südwesten Chinas (Provinz Jiangxi, Hubei und Sichuan) und begannen sich ab dem 9. Jahrhundert auf dem Gebiet des heutigen Nordwestthailands niederzulassen. Die Landnahme war den von Norden her einfallenden mongolischen Stämmen geschuldet und dauerte bis zum 13. Jahrhundert an. In den zahlreichen Auseinandersetzungen mit der dort ansässigen indischstämmigen Urbevölkerung kamen hauptsächlich Waffen wie Schwert, Stock, Speer und Messer zum Einsatz.

Die mit diesen Waffen verbundene Kampfkunst wird unter dem Namen Krabi Krabong (frei übersetzt: Kurz-und Langwaffe) trainiert. Gingen die Waffen während der Auseinandersetzung verloren, wurde mit Hand-, Ellbogen- und Beintechniken weiter gekämpft. Es wird angenommen, dass so die Kampfkunst Muay Thai Ihre Ursprünge fand und in der darauffolgenden Zeit, angelehnt an die Erfahrungen aus den kriegerischen Auseinandersetzungen, immer weiter entwickelt und perfektioniert wurde. Archäologische Funde legen stützen allerdings auch eine andere Theorie, nach der die Ureinwohner Thailands lange schon vordem Ensetzen der Völkerwanderung Kampftechniken kannten, die dem Muay Thai ähnlich waren.

Um 1220 besiegten die Thais die im Gebiet um Sukhothai ansässigen Khmer und befreiten sich von deren Joch. Schließlich bestieg 1238 der Thai Sri Indraditya als erster König der Sukhothai Dynastie den Thron und begründete damit das erste thailändische Königreich. Um 1279 bestieg Prinz Ramchamhaeng als dritter Herrscher der Sukothai-Dynastie den Thron. Dieser weitete den Herrschaftsbereich des thailändischen Reiches bis nach Laos, Burma und an die Grenzen Vietnams aus. Historischen Aufzeichnungen zufolge war es auch König Ramchamhaeng, der die thailändischen Kampfkünste reorganisierte und systematisierte. Das neue System war fester Bestandteil der militärischen Ausbildung und wurde ebenso in allen Schule unterrichtet.

Im Jahr 1351 erfolgte die Gründung des Königreichs und der gleichnamigen Hauptstadt Ayuthaya. Die Bewohner mussten sich wiederholt dem birmanischen Streben nach Macht- und Landgewinn entgegensetzen, was unter anderem durch die Effektivität der Kampfkünste Krabi Krabong und Muay Thai bis ins Jahr 1569 gelang. In diesem Jahr wurde dann aber Ayuthaya als birmanische Provinz einverleibt. Im Jahr 1592 vertrieb der thailändische Prinz Narasuen - ein großer Meister der thailändischen Kriegskunst - die Birmanen wieder, nachdem er deren Thronfolger Prinz Minchit Sra in einem Zweikampf besiegte. Dieser Zweikampf ging als Sieg von Nong Sarai in die Geschiche ein und die Aufzeichnung darüber, gilt als erste offizielles Dokument in welchem Muay Thai Erwähnung findet.

Es folgte eine Zeit des Wohlstandes und des Friedens. Die thailändischen Könige waren sich der Bedeutung des Muay Thais weiterhin bewusst. Zahlreiche Stilrichtungen wurden miteinander verglichen und kombiniert, um die Effektivität des Muay Thai zu verbessern. Heute werden die Techniken dieser traditionellen Stile unter dem Namen Muay Boran (Boran = traditionell, alt) trainiert. Das Muay Boran geht weit über die waffenlosen Techniken des heutigen Muay Thai hinaus und basiert auf der Nachahmung verschiedener Tiere, die in Formen zusammengefasst sind, z.B. Tiger-, Kranich- und Wasserbüffelform.

Ayuthaya, damals eine der blühendsten Städte des Ostens, wurde 1767 erneut von den Birmanen eingenommen und bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Viele Thais wurden damals von den Birmanen versklavt. Der Legende nach fragte der birmanische König bei einer Feier am 17. März 1770 die gefangenen Thais, wer von ihnen gegen die birmanischen Krieger kämpfen wolle. Der Thai Nai Kha Nom Tom trat an und besiegte die zehn besten birmanischen Kämpfer. Als Auszeichnung wurde ihm von den Birmanen ein Wunsch freigestellt, woraufhin Nai Kha Nom Tom seinem Wunsch gemäß nach Thailand zurückkehrte. Der 17. März wird deshalb bis heute als Tag des Muay Thai gefeiert.

Der Unterbefehlshaber Phraya Tak (Thaksin) entfloh aus der birmanischen Gefangenschaft und begann die versprengten Truppenverbände neu zu formieren. Innerhalb kurzer Zeit hatte er die alten Gebiete zurückerobert, als neuen Regierungssitz wählte er Thonburi. Im Jahre 1781 musste Taksin von seinem Offizier Phraya Chakri abgelöst werden. Phraya Chakri bestieg dann im Jahr 1782 als Rama I. den Thron. Er verlegt die Hauptstadt und den Regierungssitz von Thonburi nach Bangkok. Die Chakri-Dynastie, welche noch heute in Thailand herrscht, wurde von ihm begründet. Sein Nachfolger König Rama II. ließ im Bereich des Königspalastes das Wang Lang Stadio erbauen in welchem dem Volk sowohl Kämpfe mit Waffen als auch waffenlose Kämpfe dargeboten wurden

Die ersten Muay Thai Wettkämpfe in einem offiziellen Ring wurden 1921 ausgetragen und 1929 wurden zum ersten Mal Boxhandschuhe verwendet. Zuvor hatten die Kämpfer ihre Hände lediglich mit Hanfbandagen umwickelt. Ebenfalls in diesem Jahr wurden feste Rundenzeiten festgelegt. Bis dahin galt als Zeitmaß eine Kokosnusschale, welche ein Loch hatte und ins Wasser gelegt wurde. Ging die Schale unter, war der Durchgang beendet. Weitere Reglementierungen folgten und ebneten dem Muay Thai als Wettkampfsport seine Verbreitung in der ganzen Welt

Wai Kru und Ram Muay

Die Kämpfer zeigen vor dem Kampf den Wai Kru. Dies ist eine Verbeugung in Respekt und Dankbarkeit vor den toten und lebenden Meistern, dem Trainer und der eigenen Familie.

Dem Wai Kru folgt das Ram Muay, bei dem der Kämpfer durch tanzähnliche Bewegungen eine Geschichte darstellt, bei dem seine Kampfstärke und -stil oder der Kampfverlauf im Vordergrund steht.

Die klassische thailändische Musik begleitet den Wai Kru und den gesamten Kampf